So Typen im Fitnessstudio

So, ich bin wieder dabei. Dabei meinen Körper zu stählern. Mein überschüssiges Gewicht abzuwerfen. Es allen mal so richtig zu zeigen. Und ich bin sauer! Ja, richtig gelesen! Ich bin sauer. Und zwar so richtig. Leute, heute war so ein verzwickter Tag. Und ich dachte mir, okey, geh ins Fitness, lauf mal ein Bisschen. Fahr vielleicht noch etwas Rad. Geh dann gaaaaaanz entspannt in die Sauna und dann kommste Heim, hängst noch schnell die Wäsche auf. Gehst pennen. Startest gut in den nächsten Tag.

Doch jeeeeheeeetzt das:

Das hier geht an alle Lauflauttelefonierer. An alle Stöhner, Poser, Machos. An alle Schleimhochzieher und Nichtabhuster in der Sauna. An alle, die andere im Fitnessstudio zum Nachhauserennen bringen.

Da geht man – nach Tagen! – mal wieder in sein kleines „Ich finde zu mir selbst und zu meinem Körper, aber eigentlich würde ich jetzt lieber auf dem Sofa mit einem Glas Wein und einer Tafel Schokolade hocken, dabei die Füsse hochlegen und Brigdet Jones gucken“-Paradis. Ja, der Ort, an dem ich mich zwar hinquälen muss, mich danach aber besser fühle. Und ihr, ihr stört meinen inneren Frieden!

Der Lauttelefonierer

Gibt es denn überhaupt keine Regeln mehr? Muss ich mich denn als Erwachsener und scheinbar gut verdienender Mensch (sonst könnte man sich dieses Studio, in dem ich heute trainieren war, nicht leisten) mir genau DAS Laufband in mitten vieler Leute suchen? Um dann ans Telefon zu gehen? UND DEN LAUTSPRECHER DABEI LAUFEN ZU LASSEN?! W I R K L I C H? Und dabei muss ich natürlich ganz laut verkünden: „Hallo, ich bin gerade auf dem Laufband.“ Natürlich lasse ich den Lautsprecher die ganze Zeit an. Links, rechts, hinter mir sind Menschen, die trainieren. Und ich lasse sie alle dabei mithören.

Und als wäre das nicht die Spitze gewesen, hatte mich dieser Mann vor dem Telefonat schon etwas genervt: Muss ich denn wirklich auf dem Laufband, zwischen zwei anderen Menschen, beim Laufen, Übungen machen und dabei mit meinen Armen so hin- und herkreisen, dass ich nicht nur beinahe den anderen Menschen ein Auge aussteche, sondern meinen schweißbeißenden Geruch so noch jeden ins Gesicht wedele?

Die Eingedieselte

Okey, okey, wisst ihr was? Es war mir ehrlich gesagt zu dem Zeitpunkt relativ egal. Hier geht es ums Gesamtprinzip, das mich heut kalt erwischt hat. Zurück zum eigentlichen Thema: Er telefonierte und ich hab nach etwa 15 Minuten meine Kopfhörer aus den Ohren gezogen, die auf der mittlerweile höchsten Lautstärke gestellt waren. Ich wollte ihn höflich bitten, das Gespräch hinten bei dem Laufband neben den verlorenen Rädern weiter zu führen. Da verabschiedete er sich ja schon und legte auf. Okey, puh, gut, also weiter machen. Die Schrittezahl erreichen. Danach zum Rad.

Da war ich also fertig mit dem Laufband und dem Lauflauttelefonierer und Schweißwedeler, da ging also zu den Rädern. Ich radelte bereits 15 Minuten. Hügel Plus: Stufe 7 – ich wollts mir mal so richtig geben. 🙂

Dann roch ich mit einem Mal Parfüm. Ein starker Geruch. Plötzlich beißend. Leute, ich sags euch: So etwas hab ich echt noch nie erlebt! Der Geruch war so stark, dass ich das Parfüm schier schmecken konnte. Ihr kennt das sicher, wenn man sich selbst eingesprüht hat und aus Versehen eine Wolke eingeatmet hat. So ging es mir. Ich sah nach rechts und da war sie. Eine Frau, zierlich, vielleicht Mitte 40, zerzauselte noch ihre Kopfhörer und legte dann los. Der Geruch kam phasenweise immer mal wieder an meine Nase. Doch was tun?

Sicher, man ist genervt, aber kann man jemanden darauf ansprechen? Wenn ja, was sagt man?? „Entschuldigen Sie, aber… Sie riechen… ziemlich stark… Könnten Sie bitte das Rad wechseln? Nach da hinten vielleicht?“ Okey, zugegeben, zuerst hatte ich einen beißenden Schweißgeruch in der Nase und nun Parfüm. Luxusprobleme. Aber was sollte ich tun? Mit dem Geschmack im Mund konnte ich unmöglich noch 30 Minuten weiter trainieren. Ich sah nur eine Möglichkeit: Genervt wechselte ich das Rad.

Die Saunaakrobatin

Nach der Radsession war ich mit mir im Reinen und beschloss, dass es nun an der Zeit war, in die Sauna abzudampfen. Also ging ich in die Kabinen. Wir haben bei uns im Mädelsbereich so kleine breite Bänke, auf denen sich so zwei bis drei Leute locker ausbreiten können. Zwei vorn, zwei in der Mitte, zwei hinten. Da mein Locker heut ganz hinten war, ich meine Klamotten nicht von A nach B schleppen wollte, hielt ich nach einer Bank ausschau, die meinem Locker nahe genug war. Ich muss mich ja nur kurz ausziehen und meine Dusch- und Saunasachen raussuchen. Zwei Bänke, drei Damen, eine nahm eine ganze Bank für sich allein ein.

Die ältere Frau machte keine Anstalten, mir Platz zu machen. Also versuchte ich alles von einer klitzekleinen Ecke aus zu erledigen. Badeschuhe raus, Sportklamotten rein, Badetücher und Duschbad nicht vergessen. Währenddessen kam die Dame nicht drumrum, sich über den nassen Boden, über den sie rutschte aufzuregen. Ich versuchte zu besänftigen „Vorsicht, nicht, dass sie noch fallen“, sagte ich. Darauf sie: „Dass man das ganze Schwimmbad mit in die Umkleide bringen muss…“

Sie räumte alles in ihren Spint, ging in die Badegemächer. Wahrscheinlich auch in die Sauna. Dort hatte ich sie schon oft gesehen.  Es handelte sich um jene Frau, die sich nicht nur in die Sauna legt. Nein, sie hebt im liegenden Zustand ihre Beine an und stretcht sich ordentlich. Dabei streicht sie sich hörbar immer wieder ihren Schweiß über den gesamten Körper.

Davon ließ ich mich nicht abhalten. Ich wusste, was mich erwartete und wollte trotzdem in die Sauna. Das hatte ich mir schließlich verdient. Erkämpft. Doch heute hatte sie einen Frosch im Hals. Mehr noch. Es muss sich dem Hören nach um eine ganze Menge Schleim gehandelt haben, den sie einfach nicht abhustete, sondern mit der Nase aus der Halsgegend scheinbar versuchte, hochzuziehen. Dabei lief es mir kalt den Rücken runter.

Nach 5 Minuten kapitulierte ich das zweite Mal an diesem Abend. Ich verließ die Sauna, duschte mich kalt ab, ging auf die Terrasse, die mit Eis und Schnee bedeckt war. Nur im Handtuch umhüllt. Am schönsten finde ich immer genau diesen Moment: Du stehst da draußen. Ein leichter Winterregen legt sich auf deine Haut und wenn du stehen bleibst, kannst du sehen, wie dein Körper dampft 🙂 Das entspannt mich immer unheimlich.

Und so entspannt ging ich dann zurück zu den Duschen, um mir meine Haare zu waschen und so Zeug halt. Ich steh also unter dieser Dusche, das wohligwarme Wasser strömt an mir herunter. Ich schließe die Augen und denke daran, dass der Tag fast vorbei ist, da erschrecke ich mich kurz, weil ich nicht gehört habe, dass die Saunaakrobatin neben mir die Kaltwasserdusche benutzt.

Ich kenn das ja schon von ihr: Sie spritzt also und jeden mit diesem kalten Wasser an. Und dabei hat sie heute noch einen draufgelegt: Sie stöhnte! Und stöhnte! Und stöhnte! Und kam garnicht mehr aus dem Stöhnen raus. Das kannte ich bisher nun aus der „Hantelabteilung“ von den Männern. Ich wusch mir noch schnell den Schaum aus den Haaren und wollte aus der Dusche raus, da nimmt sie mir auch noch die Vorfahrt.

Das Ende vom Lied

Karma is a bitch. Sie hat sich im Bad die falsche Karte geschnappt und bekam ihren Umkleideschrank nicht auf. Ich versuchte zu helfen, da fiel es ihr auf. Nachdem ungefähr dreimal laut „Scheiße!“ gerufen hat. Entspannt sein, ist anders.

Ich denke am Ende des Tages ist doch alles ein Geben und Nehmen: Du willst nicht, dass die Umkleide schwimmt, genauso wie andere kein Gestöhne von dir hören wollen. Und ich meine niemand hat etwas gegen einen Seufzer, nicht wahr? Wenn wir alle schon unserem „ich will meinen Körper stählern“-Wahn verfallen, sollten wir daran denken, dass es auch noch andere im Fitnessstudio gibt. Mehr möchte ich eigentlich nicht.

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