2. Oktober 2017, Kilos erreichen Stress-Level

„Und was wiegen Sie jetzt?“, hat mich meine Hausärztin gefragt. Naja, dass diese Frage kommt, war ja vorher zu sehen. „82.“ Sie zieht die Mundwinkel nach unten. „Ja, da fühlt man sich nicht mehr wohl“, sagt sie. Recht hat´se. Die letzten Monate waren ein herber Rückschlag. Eine Analyse des Frusts.

Ceasarsalad
Essen gehen mit Mutti: So ganz ohne Kohlenhydrate ist das aber auch nicht!

Anfang des Jahres war alles klar: „Diesen Sommer werde ich mir einen Bikini kaufen und ich werde ihn tragen können!“, tönte ich noch vor meinen Freunden. Pustekuchen!  Das Jahr ist fast vorbei, wenn wir ehrlich sind. Gelaufen. Jedes Jahr die gleiche Kacke. Du gehst ins neue Jahr, hast Vorsätze und dann gegen Juli dämmert es dir, dass du es wieder vergeigt hast. Warum? Es lief doch alles so gut: Du hast dich in deinem Job entwickelt. Viel gearbeitet, aber auch viel gefeiert. Und zu feiern gab´s viel. Nebenbei der Spanischkurs, Ehrenamt in der Kinderhilfe, Reisen und die Unternehmungen mit Freunden. Doch drei Dinge kamen dabei zu kurz: Schlaf, gesunde Ernährung und Sport. Und seien wir ehrlich (Mädels!): Ohne Sport werden wir noch schneller zum Nervenbündel. Das Ergebnis sind stolze 10 Kilo mehr als noch vor einem halben Jahr. Zeit, die Reißleine zu ziehen. Meine erste Maßnahme: Wieder zum Sport gehen, meine zweite zum Arzt.

Und da musste ich dann zwangsläufig den Tatsachen ins Auge sehen. Dass ich kerngesund bin, weiß ich. Ab und an plagen mich Migräneanfälle, aber die könne man laut meiner Hausärztin vorbeugen – zumindest könne man das versuchen. Dass man sich aber mit 82 Kilo auf 1,62 Metern nicht mehr wohlfühlt, das verstand sie voll und ganz. Woran das liege, wollte sie wissen. Naja, woran liegt´s wohl? An mir. Und meinen inneren Schweinehund? Eigentlich nicht, eher daran, dass ich einfach keine Zeit mehr finde. Zeit für mich, Zeit für Sport, Zeit fürs Kochen, geschweige denn Einkaufen.

Hilfe, ich bin ein Stressesser!

Wassermelone
Eher die Ausnahme: Gesunde Snacks am Arbeitsplatz.

Denn ein typischer Tag in der Redaktion läuft so: Zuerst hast du das Gefühl, dass heute so gaaaarnichts an Meldungen rumkommt. Also heißt es improvisieren: Welche Themen wollten wir schon immer mal machen, aber hatten keine Zeit? Was lässt sich aber dennoch schnell umsetzen? Was ist exklusiv? Gibt es dazu Bildmaterial?? Und dann bricht es plötzlich los: „Unternehmen xy trennt sich von Manager Mustermann!“ oder „Dieselskandalnudel rennt ins nächste Fettnäpfchen!“ (Übrigens kommen solche wie letztere immer freitags, nach 13 Uhr.)

Und solchen Situationen, die Konzentration, Kreativität und Wissen von dir abverlangen, findest du einfach keine ruhige Minute, um durch zu atmen. Und plötzlich knurrt auch noch der Magen. Also fängst du an, zu essen. Und ich bin dabei scheinbar nicht allein: Laut dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung essen etwa 40 Prozent der Menschen durch Stress mehr – davon kann ich mir jetzt aber auch nichts kaufen.

„Könne Sie den Stress reduzieren?“, fragt mich meine Hausärztin. An der Stelle hätte ich am liebsten laut gelacht. Oder geweint. Oder beides. „Mein Job macht mir Spaß, aber ich will mich auch beweisen. Ich bin zudem oft unterwegs. Weiß dann auch nicht, wie ich mich bewegen soll. im Flugzeug oder im Hotelzimmer.“ Sie versteht.

Bewegung auf engstem Raum

Hirsesalat
Hirsesalat zum Mittag: Keine Zeit mehr zum Selbstkochen. Naja manchmal doch.

Was mir meine Ärztin empfiehlt, sind 60-Sekunden-Übungen, wenn ich es einmal nicht zum Sport schaffe. „Wenn Sie das im Büro tun, sollten Sie sicher gehen, dass Sie niemand beobachtet“, sagte sie. 60-Sekunden-Übungen können so effektiv sein, wie ein 45-Minuten-Workout. Übungen dabei könnten sein, dass man sich auf einen Stuhl (ohne Rollen) setzt und dann ganz schnell aufsteht und sich wieder hinsetzt. „Sie werden am nächsten Tag den Muskelkater Ihres Lebens haben.“ Wichtig ist aber auch die Ernährung, gerade in den Tagen vor der Periode: „Sie wissen ja ungefähr, wann Sie viel Süßes brauchen, sorgen Sie für Alternativen. Pürierter Hüttenkäse mit püriertem Obst beispielsweise.“

Generell ist eine ausgewogene Ernährung natürlich Prio eins. „Verzichten Sie abends auf Kohlenhydrate, damit der Insulinspiegel schön nach unten geht. So geht es an die Fettreserven.“ Außerdem müsse ich an den anderen Mahlzeiten, darauf achten entweder fettig oder kohlenhydratreich zu essen. „Eine Kalorienzufuhr von 1.600 bis 2.000 Kilokalorien ist im Normalmaß. Wenn Sie Sport gemacht haben, können es ruhig auch 2.000 sein.“

Auf zum nächsten Anlauf

Natürlich war das jetzt ein herber Rückschlag. Ich mein, Himmelherrgott, ich war bereits auf 62 Kilo runter! Dieses Gewichts-Pingpong geht mir tierisch auf den Keks. Und es frustriert. Aber um es mit Muttis Worten zu sagen: „Selbstmitleid nutzt nichts, Kind. Ran an den Feind und mitgeheult!“ Und damit: Auf zu neuen Gefilden!